Flaschenaufzucht bei Waisenkätzchen

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So langsam geht wieder die Frühlingszeit los. Das heißt: Babyboom. Was man tun muss und machen kann, wenn man mutterlose Katzen allein vorfindet, werdet ihr hier erfahren. Oft geschieht das zu der Hochsaison im Tierheim, so dass viele Tierheime überbelegt sind und oft nur das Nötigste für einen mutterlosen Wurf Kitten machen können. Leider ist es aber so, dass kleine Kätzchen nicht nur regelmäßig ihre Milch brauchen, wie ihr jetzt vielleicht denkt. Besonders mutterlose Kätzchen brauchen sehr viel Liebe und Zuwendung vom Menschen, damit es ihnen an nichts fehlt. Sind die Tierheime überbelegt und findet man keine geeignete Tierschutzorganisation oder will die Kitten unbedingt selbst aufnehmen, muss eins gesagt werden: Hut ab! Du wirst deine Entscheidung manchmal bereuen, aber am Ende, wenn du die Kätzchen soweit hast, dass du ein Zuhause für sie finden kannst (oder sie bei dir bleiben können… umso besser), hat sich all die Mühe gelohnt. Versprochen!
Wie du nun vermutlich schon ahnst, ist eine Aufzucht mutterloser Kätzchen mit sehr viel Arbeit verbunden, die nicht mal eben neben einer Berufstätigkeit ausgeübt werden kann. Wenn ihr Langzeiturlaub nehmen könnt, solltet ihr das bis zur 6. Lebenswoche der Kätzchen tun. Ab da an ist es mit einer Berufstätigkeit zu vereinen. Außerdem, wenn ihr das Projekt allein angeht, stellt sicher, dass immer einer innerhalb weniger Minuten bereit ist für dich einzuspringen (man weiß ja nie… Unfall, Krankheit, etwas im Familienkreis etc.). Bedenkt: Die Kitten sind total von euch abhängig.
Nun zu den Einzelheiten…

Beachtet bitte auch, dass ihr den Fund bei der zuständigen Behörde angeben solltet, damit ihr juristisch auf der sicheren Seite seid. Hier geht es zur Rechtslage bei Fundtieren!

Was kann/was muss ich für die Kätzchen tun?

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Wenn ihr Kätzchen frei irgendwo liegen seht und nicht in einem Nest versteckt, dann kann man schon fast davon ausgehen, dass sie jemand dort abgeladen hat. Mutterkatzen suchen nämlich immer sichere Verstecke für ihre Katzenkinder. Außerdem entfernt sie sich in den ersten Lebenswoche nicht freiwillig weit oder lange von den Kätzchen. Findet ihr Kätzchen allein vor, wärmt sie auf jeden Fall! Wickelt sie gemeinsam auf einem Haufen in eine Decke ein. Sind die kleinen stark dehydriert (Turgor Test: Vorsichtig mit zwei Fingern eine Hautfalte im Nacken/am Rücken hochziehen, fällt die Falte schnell ein, haben sie erst vor kurzer Zeit Flüssigkeit bekommen, steht die Falte lange, ist die Katze dehydriert) müsst ihr schnell handeln. Beim Tierarzt und in manch Haustierbedarf könnt ihr euch Aufzuchtsmilch besorgen. Dieses Pulver rührt ihr mit Wasser an (steht auf der Verpackung). Sie muss Körpertemperatur haben. Ziegenmilch könnt ihr auch geben, wenn ihr da schneller ran kommt. Manche schwören auf Ziegenmilch, weil die spezielle Aufzuchtsmilch manchmal zu Verstopfungen führt. Ich rate euch dennoch zu einer anständigen Aufzuchtsmilch. So habe ich meine Handaufzuchten groß bekommen und es lief wunderbar. Für Empfehlungen von Aufzuchtsmilch meinerseits könnt ihr mich gern anschreiben.

Nach der Erstversorgung solltet ihr euch zurückziehen und schauen, ob die Katzenmama kommt, tut sie das nicht, nehmt die Kätzchen rein und kümmert euch dort um sie, schaut aber immer mal wieder, ob die Mama in den nächsten Tagen noch auftaucht!!!

Ausgesetzte Kätzchen
Hier waren die Kätzchen etwa 2-3 Wochen alt. So wurden sie gefunden.

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Taucht die Mutter nicht auf, geht für euch die Arbeit los. Sucht euch eine Kiste oder einen Karton raus, wo eure Kitten erstmal mit Handtüchern einziehen. Super sind auch Bettunterlagen, wie es sie in Krankenhäusern gibt. Diese verhindern, dass alles nass wird, denn die Kätzchen pullern manchmal wild. Ihr könnt diese Unterlagen in Apotheken besorgen. Ist es noch frisch, könnt ihr die Kätzchen in die Nähe einer Heizung stellen. Das Nest sollte etwas wärmer als die menschliche Körpertemperatur sein. Habt ihr eine Wärmelampe, könnt ihr auch diese immer mal wieder anmachen, aber achtet darauf, dass ihr auch eine freie Stelle lasst, wo keine Wärme hinstrahlt, damit die Kätzchen leicht wegrobben können, wenn es ihnen zu warm wird. Haben die Kitten ihre Augen noch geschlossen, habt ihr einen Wurf, der nicht älter als eine Woche alt ist. Im Laufe der zweiten Lebenswoche öffnen sich auch die kleinen Öhrchen, die vorher zugeklappt sind.

Füttern müsst ihr in den ersten zwei Wochen alle 2 Stunden. Ja, auch nachts! Achtet darauf, dass ihr die Kätzchen nicht auf den Rücken legt, wenn sie an der Flasche saugen. So können sie sich leicht verschlucken. Setzt euch mit geschlossenen Beinen hin, legt das Kitten mit dem Kopf voran zu euren Knien auf den Bauch und führt das Fläschchen von vorne zum Mäulchen. Das ist zwar etwas umständlich, aber ein Kätzchen ausschütteln zu müssen, das sich verschluckt hat, ist nicht das Ziel. Sollte das passiert sein, müsst ihr das Kätzchen schnell mit dem Kopf nach untern, auf dem Rücken in eurer Hand liegend, wiegen und leicht schütteln, so dass die Milch, rausläuft. Seid bitte ganz behutsam. Wenn ihr euch nicht sicher seid, geht lieber einmal mehr zum Tierarzt.

Apropos Tierarzt: Ihr solltet die Kätzchen sofort nach dem Auffinden einem Tierarzt vorstellen, der sich die kleinen einmal anschaut. Er wird euch bestimmt auch Tipps zur Aufzucht geben. Vereinbart mit ihm auf jeden Fall für die ersten Wochen, dass er für euch erreichbar bleibt oder lasst euch eine Nottierarztnummer geben!

Nach dem Füttern müssen die kleinen Kätzchen ausmassiert werden. So stimuliert ihr die Blase und den Darm, damit die Kätzchen ihre Geschäftchen verrichten können. Das ist absolut notwendig, da sie in den ersten Wochen nicht allein dazu in der Lage sind. Die Mutter tut das auch mit der eigenen Zunge. Sie leckt den kleinen das Bäuchlein. Ich empfehle euch dafür die kleinen auf einem Stück Küchenrolle auf dem Rücken in eure Hand zu legen und dann das Bäuchlein von oben nach untern, bis zur Analregion mit eurem Finger oder einem Wattepad (ihr könnt es auch leicht anfeuchten, wenn das Ausmassieren etwas umständlich bei einem Kätzchen ist) zu massieren. Nach jeder Mahlzeit sollte ein Kätzchen mindestens Urin absetzen. Bestenfalls auch Kot. Achtet wirklich darauf, dass beides regelmäßig kommt. Ist das Bäuchlein prall und es will kein Kot kommen, dann macht eine Messerspitze Butter in die Aufzuchtsmilch, dann flutscht es besser. Sollte alles nichts helfen, geht auf jeden Fall schnellst möglich zum Tierarzt. Bei Bauchweh mischt die Aufzuchtsmilch einfach mit schwachem Kamillen- oder Fencheltee.

Oft spielen Würmer auch eine Rolle. Eine Wurmkur ist ein absolutes Muss bei kleinen Kätzchen. Da wird euch euer Tierarzt bestimmt gut beraten.

Übrigens musst du die kleinen Kätzchen einmal am Tag wiegen, um festzustellen, ob sie zunehmen. Ein gesundes Kätzchen nimmt etwa 10g am Tag zu. Steht das Gewicht still, ist Vorsicht geboten. Spätestens beim zweiten Tag ohne Gewichtszunahme solltet ihr euren Tierarzt benachrichtigen. Nimmt das Kätzchen sogar ab, solltet ihr sofort zum Tierarzt!

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Um die dritte Woche herum geht es etwas aktiver zu. Da machen die Kätzchen die ersten richtigen Bewegungsversuche. Freut euch, mittlerweile könnt ihr alle 3 Stunden füttern. Mit etwa 4 Wochen können die kleinen schon umhertappern und reagieren auf ihre Umwelt (das war eine wunderschöne Zeit bei uns) und brechen leicht aus. Setzt einen Deckel auf eure Kittenbox, wo sie schlafen und baut einen Laufstall, aus dem sie nicht ausbrechen können. Man sollte die Katzenkinder immer gut im Auge behalten können, also lasst sie noch nicht frei in der Wohnung rumlaufen. Ihr könnt langsam ein flaches Katzenklo in den Laufstall stellen. Für den Anfang nehmt bitte keine Klumpstreu, da Kätzchen oft an den Steinchen knabbern und sich Klumpstreu natürlich im Magen verklumpt. Das kann schlimmstenfalls zum Tod führen! Also nehmt eine Hygienestreu. Ihr bekommt mit, wann ihr nicht mehr zum Ausmassieren benötigt werdet. Da hat jede Katze ihr eigenes Tempo. Aber sobald die Kleinen allein nach jeder Mahlzeit pullern gehen und mehrmals am Tag ein Würstchen von allein setzen, hast du eine Aufgabe weniger. Ab Woche 4 kann alle 4 Stunden gefüttert werden.

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Mit 5 Wochen ist schon einiges bei euch los. So langsam sollten die kleinen Kätzchen begriffen haben, wofür die Toilette da ist. Manchmal kann es natürlich immer noch daneben gehen. Ist ja nicht schlimm. Mittlerweile werden kleine Strecken gelaufen und die ersten richtigen Kletterversuche unternommen. Ein kleiner Kittenkratzbaum wäre jetzt angebracht. Außerdem könnt ihr immer mal wieder etwas Nassfutter anbieten und eine Fütterung nachts ausfallen lassen, dafür das Nassfutter stehen lassen. Ihr werdet verblüfft sein und euch über Extraschlaf freuen. Je nachdem wie die Kätzchen selbstständig fressen, könnt ihr die Flaschenmahlzeiten auf 3-4x am Tag reduzieren und die Racker durch die Wohnung tollen lassen, achtet dabei aber auf die Sicherheit in eurer Wohnung. Wollt ihr dazu eine Checkliste, schaut hier mal rein: Sicherheit in der Wohnung.

Ab Woche 6 ist das Gröbste überstanden. Ich weiß, es ist hart, ihr hattet wenig Schlaf, kein Privatleben und würdet gern mal wieder duschen oder gut essen. Jetzt habt ihr langsam wieder Zeit dafür. Nun müsst ihr das Fläschchen nur noch ab und an anbieten. In der 7. und 8. Lebenswoche solltet ihr euch der Erziehung eurer Kinder widmen, das ist wichtig! Was ist erlaubt, was nicht. Macht ihnen klar, dass Menschen toll sind und seid lieb, aber konsequent zu euren Findelkindern.

Übrigens: Der erste Impftermin muss gemacht werden. Ab zum Tierarzt!

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Auch wenn die Mama nicht da ist, solltet ihr die Kätzchen mindestens bis zur Vollendung der 12., besser noch bis zur Vollendung der 14. Woche, zusammen lassen. Das ist wichtig für die Sozialisation. Sucht ihr ein neues Zuhause für eure Kitten, gebt sie nicht in Einzelhaltung ab, wieso nicht, erfahrt ihr hier: keine Einzelhaltung. Bestenfalls ziehen zwei Geschwisterchen zusammen um. Ihr könnt die Charaktere gut einschätzen und wisst, wer gut miteinander kann, wer viel spielt, wer weniger. Sucht wirklich das passende Zuhause für die Kätzchen und schaut euch die Bedingungen an. Eine Woche vor der Abgabe sollten die kleinen Minzekatzen ein zweites mal geimpft werden und vielleicht sogar auch gechippt. Achtet darauf, dass die neuen Halter euch irgendwie Beweis erbringen, dass die Kätzchen kastriert worden sind, wenn es so weit ist oder lasst eure Kätzchen selbst kastrieren, wenn sie noch bei euch sind. Euer Tierarzt wird euch da beraten. Schließlich soll es nicht noch mehr heimatlose Katzen geben, oder?

Leider passiert es auch manchmal, dass ein Kätzchen nicht durchkommt, auch bei guter Pflege. Wir haben so einen Fall. Unsere kleine Lilly ist leider nach schwerer Krankheit, die vermutlich angeboren war, gestorben. Wir konnten nicht viel dagegen unternehmen. Wir hatten eine tolle Tierärztin, die sich viel und gut gekümmert hat und immer für uns erreichbar war. Ihr bin ihr sehr dankbar für die tolle Betreuung.
Ich hoffe sehr, dass ihr so eine schmerzliche Erfahrung nicht machen müsst. Und wünsche euch:

Viel Erfolg, Gesundheit, Kraft, Durchhaltevermögen, Freude und schöne Momente bei eurer Flaschenaufzucht!

Bei Fragen könnt ihr euch gern bei mir melden. Ich helfe gern weiter, wenn ich kann.

Tipp: Habt ihr erwachsene Katzen im Haushalt, lasst euch von ihnen helfen. Vielleicht übernehmen sie das Ausmassieren? Auf jeden Fall sollte man sie ab der 8. Woche zusammen lassen für die kätzische Erziehung. Davon haben unsere Findelkätzchen profitiert. Wollt ihr erst sicher gehen, dass FIV und Leukose (FeLV) ausgeschlossen sind (so haben wir es gemacht), könnt ihr einen Bluttest mit euren kleinen Kätzchen machen. Das geht leider erst ab der 8. Lebenswoche. Aber da bleibt ja noch mindestens ein Monat für die Erziehung durch die Großen. Es reicht übrigens, wenn ihr nur ein Kätzchen (vorzugsweise das größte und stärkste Kitten) testen lasst. Bekommt keinen Schreck, wenn der FeLV-Test positiv ausfällt, das muss nicht zwangsläufig bedeuten, dass sie Leukose haben. Es kann gut sein, dass der Organismus der Kätzchen gerade dagegen ankämpft. Ob du deine Großen dann trotzdem dazu setzen willst, ist dein eigenes Risiko.

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Zum Abschluss eine Portion Zucker:

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5 Gedanken zu “Flaschenaufzucht bei Waisenkätzchen

  1. Schöner ausführlicher Artikel zur Aufzucht. Gute Vorbereitung für jene die es vll mal machen möchten und spannende Info für alle Interessierten. Wirklich Respekt für die Aufzucht an euch und alle die das machen und gemacht haben – tolle Leistung ❤

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Miau!

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